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Warum soll ich eigentlich verkaufen?

Falls Sie sich jetzt gerade zu Recht diese Frage stellen, sollten wir zuerst einmal erläutern, was Verkaufen eigentlich genau bedeutet. Sie werden es nicht glauben, aber selbst wenn Sie noch nie in Ihrem Salon ein Produkt verkauft haben, verkaufen Sie doch jeden Tag mehrfach irgendetwas. Im engsten Sinne des Wortes ist Verkaufen einfach ein Verfahren, Waren und Dienstleistungen vom Erzeuger in die Hände derjenigen weiterzugeben, die davon den meisten Nutzen haben. Verkaufen ist aber noch viel mehr.

Wenn Sie Ihren Partner überzeugt haben, die Zeitung einmal wegzulegen um mit Ihnen zu sprechen, haben Sie etwas verkauft. Vielleicht konnten Sie zur Abwechslung Ihre Schwester dazu überreden, endlich mal in den Kinofilm Ihrer Wahl zu gehen und nicht umgekehrt, auch dann waren Sie in einen Verkaufsvorgang eingebunden.

Stellen Sie sich bitte einmal vor, Sie haben gerade einen Kunden im Stuhl sitzen und sind davon überzeugt, dass die 1,10 m langen und völlig kaputten Haare Ihres Kunden abgeschnitten werden müssen, und zwar schnell. Der Kunde ist da zwar anderer Meinung, aber nach guter Überzeugungsarbeit Ihrerseits ist er bereit, auf seine Zotteln zu verzichten. Wenn so etwas passiert und der Kunde anschließend auch zufrieden ist, haben Sie ein gutes Werk getan. Sie haben verkauft!
 

Jeder verkauft jeden Tag!

Stellen Sie sich einmal vor, niemand würde noch etwas verkaufen. Unser ganzes System würde sofort zusammenbrechen und jeder würde nur noch in seinem Haus sitzen und sein Dasein fristen, vorausgesetzt jemand hat ihm vorher ein Haus verkauft. Oder stellen Sie sich vor, jeder Friseur in der Bundesrepublik beschließt spontan, ab dem heutigen Tage nichts mehr zu verkaufen. Was würde dann geschehen? Abgesehen davon, dass über Nacht ca. 225.000 Friseure zum Arbeitsamt laufen müssten und ca. 66.000 Läden auf einmal leer stünden, würde auch die gesamte Zulieferindustrie den Bach runtergehen. Es gäbe keine Haarkosmetikvertreter, keine Scherenhersteller, keine Einrichter und auch sonst vieles nicht mehr. Es gäbe auch keine Meisterschulen und niemand würde in diesem Bereich noch etwas lernen. Selbstverständlich gäbe es in diesem Sektor auch keine neuen Trends mehr, keine Kreativität und jeder in diesem schönen Land würde mit dreckigen, fettigen und schuppigen Haaren bis in die Kniekehlen herumlaufen.

So wichtig sind Sie und so wichtig ist ebenfalls das Verkaufen. Doch warum sollen ausgerechnet Sie nun verkaufen, abgesehen von den bis jetzt genannten Gründen?

Falls Sie derzeit angestellt sind, gibt es einige Vorgaben, die Sie zu erfüllen haben, um Ihre "Daseinsberechtigung" zu behalten. Viele Saloninhaber sprechen dies nicht immer an oder haben auch keine direkten Zahlen für eine Vorgabe im Kopf, aber dennoch werden Sie entlassen, wenn Sie gewisse Leistungsschwellen nicht erreichen.
 

Wer schreibt der bleibt!

Dies ist eine der ältesten Weisheiten im Verkauf und so gut wie jeder, der auf dem Gebiet tätig ist, kennt diesen Spruch. Das liegt in erster Linie daran, dass dieser Satz einfach nur zu wahr ist. Wenn Sie als Unternehmer zu wenig Umsatz "reinrudern", werden Sie auf kurz oder lang Ihr Geschäft schließen müssen, so einfach funktioniert dieses Spiel. Übrigens gilt dies sowohl für den Chef als auch für den Angestellten, denn auch ein Arbeitnehmer muss dafür Sorge tragen, dass die Kasse stimmt. Überlegen Sie doch einmal, haben Sie als Single oder Familie nicht ebenfalls Einnahmen und Ausgaben? Müssen Sie sich nicht auch vor dem Finanzamt rechtfertigen? Sie müssen doch ebenfalls jeden Monat überlegen, wie Sie Ihr Geld investieren und wo Sie einsparen, habe ich Recht? Ein Haushalt ist nichts anderes als eine Firma und somit müssen beide Parteien, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, ihre jeweilige Firma über den nächsten Monat bekommen. Generell gilt:
 

Sie müssen verkaufen, um im Geschäft zu bleiben!

Wenn ich mit einem neuen Kunden zusammensitze, stelle ich grundsätzlich gemeinsam mit dem Kunden eine "Erfolgsrechnung" für seinen neuen Salon auf und das aus mehreren Gründen. Erstens erfahre ich, ob das Vorhaben auch ein gesundes Vorhaben ist und der Kunde ebenfalls. Der Kunde erfährt auch, ob er mit der Anzahl der Bedienungsplätze, Waschanlagen oder auch mit dem Personal überhaupt hinkommt bzw. ob es in einigen Bereichen nicht zu viel des Guten ist. Diese Erfolgsrechnung ist ein geeigneter Richtwert, jedoch nicht so exakt wie ein von einem Unternehmensberater erstellter Businessplan. Allerdings ist dieser Richtwert in der Regel durchaus effizient, wenn es darum geht, Fehler im Vorhaben zu finden. Und so setzt er sich zusammen:

Zuerst wird der zu erwartende Jahresumsatz ermittelt. Er errechnet sich aus der Anzahl der Mitarbeiter (inkl. des Inhabers), mal der Anzahl der durchschnittlichen Kunden pro Mitarbeiter, mal dem durchschnittlichen Bedienpreis, mal 21 Arbeitstage, mal 11 Monate. Warum 11 und nicht 12 Monate? Die Mitarbeiter eines Betriebes möchten auch manchmal Urlaub machen, eventuell zum Ärger des Inhabers, und es gibt auch immer noch hin und wieder einen Feiertag sowie Krankheitsfälle.

Diese Summe ergibt den Jahresumsatz eines Betriebes und von dieser Summe werden sämtliche Kosten abgezogen. Ein Beispiel:
 

Salon Kannichts

 

Zwei Mitarbeiter (inkl. Frau Kannichts)

x 5 Kunden pro Tag

x 22 € durchschnittlicher Bedienpreis des Salons (der durchschnittliche Bedienpreis in Deutschland beträgt derzeit 30 €)

x 21 Arbeitstage

x 11 Monate

 

= 50.820 € Umsatz

 

Somit hat Frau Kannichts ein Riesenproblem, wie sich gleich herausstellen wird, und dafür muss man kein Professor der Mathematik sein, denn:

 
50.820 € Umsatz

-          6.098,40 € Materialeinsatz (Haarkosmetikanteil beträgt ca. 12 %, bei
           Betrieben mit hohem Färbeanteil entsprechend höher)

=         45.738 € Rohertrag

-          Miete

-          Mietnebenkosten

-          Personalkosten

-          Finanzierungskosten

-          Versicherung

-          Schulungskosten

-          Werbung

-          Kosten für Steuerberatung

-          Steuern

-          Und noch vieles, vieles mehr!
 

Nur einmal angenommen, Frau Kannichts und Ihre Mitarbeiterin möchten monatlich 1.500 € Brutto, inklusive der Arbeitgeberanteile verdienen. In diesem Fall betragen die Lohnkosten bereits 36.000 € jährlich. Angenommen, die Miete des Ladenlokals würde inkl. Nebenkosten 800 € betragen, müsste Frau Kannichts dafür im Jahr 9.600 € bezahlen. Allein das ergibt eine Gesamtsumme von 45.600 € und Frau Kannichts hätte anschließend kein Geld mehr für die weiteren tollen Sachen, wie z. B. Steuern oder Versicherungen.

Somit hat Frau Kannichts in der Tat ein Problem, nicht wahr? Falls Sie nun angestellt sind, wissen Sie, was ich mit Vorgaben seitens der Unternehmensführung meine. Ein guter Friseur bedient täglich mindestens acht Kunden und das so hochpreisig wie möglich. Wobei vielleicht viele der guten Friseure unter Ihnen bereits bei acht Kunden schmunzeln werden. In diesem Buch werden Ihnen viele Möglichkeiten aufgeführt, um Ihre Kundenanzahl pro Tag sowie Ihren durchschnittlichen Bedienpreis deutlich zu erhöhen. Nutzen Sie dies und Ihr Gehalt oder Ihr Umsatz wird sich unweigerlich erhöhen. Doch nicht nur das. Sie werden gleichermaßen entspannter und zufriedener bei der Arbeit sein und viele interessante Menschen kennen lernen! Das ist doch toll, oder? Und dafür müssen Sie nicht unendlich viel Geld und Kraft aufwenden, denn alle Techniken sind leicht und ohne hohe Kosten umzusetzen. Klingt gut? Ist es auch! Bitte lesen Sie weiter!

 

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